Wer ist der Samichlaus?
Die Schweizer Version des heiligen Nikolaus
In der deutschsprachigen Schweiz wird der heilige Nikolaus liebevoll “Samichlaus” genannt. Er besucht am 6. Dezember Familien und Schulen, oft in einem langen roten oder braunen Umhang, mit einem großen Bart und einem Buch, in dem angeblich vermerkt ist, ob die Kinder das Jahr über brav waren.
Der Schmutzli als Begleiter
Der Samichlaus reist selten allein: An seiner Seite steht meist der Schmutzli, eine dunkel gekleidete, rußgesichtige Gestalt mit einer Rute, ähnlich dem österreichischen Krampus, jedoch insgesamt weniger furchteinflößend. Der Schmutzli trägt oft den Sack mit den Mandarinen, Nüssen und Lebkuchen, die verteilt werden.
Chlausjagen in Appenzell
In der Region Appenzell existiert zudem eine einzigartige Tradition namens “Chlausjagen” oder “Silvesterchlausen”, bei der als Samichläuse verkleidete Gruppen mit riesigen, kunstvoll geschmückten Kopfbedeckungen von Haus zu Haus ziehen und Glückwünsche mit Jodelgesang überbringen.
Woher der Name “Samichlaus” wirklich kommt
Der Name selbst ist eine sprachliche Verschmelzung: “Sami” ist die schweizerdeutsch angepasste Form des lateinischen “sanctus”, was “der Heilige” bedeutet, während “Chlaus” die schweizerische Kurzform von “Nikolaus” ist. So nennen die Innerschweizer bis heute auch ihren berühmten eigenen Landesheiligen, den Einsiedler Niklaus von Flüe, liebevoll “de heilig Chläus”. Der Brauch selbst geht direkt auf den heiligen Nikolaus von Myra im 4. Jahrhundert zurück, dessen Legenden über heimliche nächtliche Wohltaten an Bedürftige die Grundlage für das heutige Samichlaus-Bild aus Umhang, Bart und prallem Geschenksack bilden.
Das stärkste Bier der Welt trägt seinen Namen
Wenig bekannt ist, dass der Name “Samichlaus” auch international mit einem ganz anderen Schweizer Exportschlager verbunden ist: einem Bier. Die Zürcher Brauerei Hürlimann braute ab 1979 jährlich exakt einmal, immer am 6. Dezember, dem Samichlaus-Tag, ein extrem starkes Doppelbock-Bier mit rund 14 Volumenprozent Alkohol, das lange als eines der stärksten Biere der Welt galt. Nach der Übernahme durch Feldschlösschen 1996 wurde die Produktion eingestellt, bis das Familienunternehmen Schloss Eggenberg im österreichischen Vorchdorf das Originalrezept im Jahr 2000 originalgetreu wiederbelebte und bis heute jedes Jahr am Samichlaus-Tag neu einbraut.
Als der Chlausen-Brauch fast verboten wurde
Der Silvesterchlausen-Brauch im Appenzell wäre beinahe vollständig verschwunden. In den 1930er-Jahren tauchten zunehmend sogenannte “Bettelchläuse” auf, die den Brauch missbrauchten, um in wirtschaftlich harten Zeiten aktiv um Geld zu betteln. Die Behörden reagierten mit strengen Auflagen, und in den 1950er-Jahren war die Tradition in etlichen Dörfern praktisch ausgestorben. Erst dank des persönlichen Engagements einzelner Dorfbewohner wurde der Brauch in den 1970er-Jahren wiederbelebt; heute gehört das Silvesterchlausen offiziell zum immateriellen Kulturerbe der Schweiz und erfreut sich größerer Beliebtheit als je zuvor.
Regionale Unterschiede im Schweizer Samichlaus-Brauch
Die Art und Weise, wie der Samichlaus gefeiert wird, unterscheidet sich stark von Kanton zu Kanton: Während er in städtischen Gebieten oft nur kurz Schulen und Kindergärten besucht, ziehen in ländlichen Regionen der Zentral- und Ostschweiz noch heute traditionelle Umzüge mit Samichlaus, Schmutzli und manchmal sogar Eseln durch die Straßen, begleitet von Musik und Fackeln.
Besonders das Appenzeller Silvesterchlausen zieht mittlerweile auch internationale Aufmerksamkeit auf sich, da die kunstvollen, oft meterhohen Kopfbedeckungen der Chläuse als einzigartiges immaterielles Kulturerbe der Schweiz gelten und von UNESCO-nahen Organisationen dokumentiert wurden.
Häufig gestellte Fragen zum Samichlaus
Ist der Schmutzli eine böse Figur? Nicht wirklich böse, eher eine strenge, mahnende Begleitfigur, die heute meist eine unterstützende statt bestrafende Rolle einnimmt.
Feiert die ganze Schweiz den Samichlaus gleich? Nein, die Bräuche variieren stark zwischen den Kantonen und sprachlichen Regionen der Schweiz.