Wer ist Krampus?
Der dunkle Begleiter des heiligen Nikolaus
Während der heilige Nikolaus artige Kinder am 6. Dezember mit Süßigkeiten belohnt, kümmert sich in den Alpenregionen Österreichs, Bayerns und angrenzender Länder eine ganz andere Gestalt um die weniger Braven: Krampus, ein hörnertragendes, dämonenähnliches Wesen mit Pelz, Kette und Rute, das ungezogenen Kindern Angst einjagen soll.
Die Krampusnacht am 5. Dezember
Am Vorabend des Nikolaustags, der sogenannten Krampusnacht, ziehen in vielen Alpenorten als Krampusse verkleidete Männer mit lautem Kettengerassel durch die Straßen, in sogenannten “Krampusläufen”. Diese Umzüge sind heute weniger Angstmacherei als vielmehr ein lebendiges Volksfest mit jahrhundertealten Masken und Kostümen.
Vorchristliche Wurzeln
Historiker vermuten, dass Krampus auf vorchristliche, heidnische Winterdämonen zurückgeht, die später mit der christlichen Nikolausfigur verschmolzen wurden, um sowohl Belohnung als auch Strafe symbolisch darzustellen. In den letzten Jahrzehnten hat Krampus auch international an Popularität gewonnen, unter anderem durch Filme und Halloween-ähnliche Feiern in den USA.
Als Teufelsverkleidung die Todesstrafe bedeuten konnte
Die Geschichte des Krampus ist weit dramatischer, als seine heutige Rolle als Volksfestfigur vermuten lässt. Während der Zeit der Inquisition wurde das Verkleiden als teuflische Gestalt in weiten Teilen des Habsburgerreichs offiziell verboten — und Zuwiderhandlung konnte theoretisch mit der Todesstrafe geahndet werden, da die Kirche in den Teufelsmasken eine gefährliche Nähe zu heidnischem Aberglauben und Teufelsanbetung sah. In entlegenen, dünn besiedelten Alpentälern, wo solche Verbote kaum wirksam durchzusetzen waren, überlebte der Brauch dennoch im Verborgenen, bis er nach dem Abflauen der Hexenverfolgungen wieder offener praktiziert werden konnte.
Verboten vom austrofaschistischen Regime
Weit weniger bekannt ist, dass Krampus auch im 20. Jahrhundert offiziell unterdrückt wurde. Nach den politischen Umwälzungen infolge der Wahl von 1932 verbot das klerikal-faschistische Regime unter Kanzler Engelbert Dollfuß und seiner Vaterländischen Front die Krampus-Tradition in Österreich, da sie als unvereinbar mit der von der Regierung propagierten christlichen Moralvorstellung galt. Die New York Times berichtete darüber am 23. Dezember 1934 unter dem Titel “Krampus disliked in Fascist Austria”. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg hielt die Skepsis an: In den 1950er-Jahren verteilte die österreichische Regierung Flugblätter mit dem Titel “Krampus ist ein böser Mann”, aus Sorge, Begegnungen mit der Schreckgestalt könnten der psychischen Gesundheit von Kindern schaden — ein Vorgang, über den auch das US-Magazin Time 1953 unter der Überschrift “Throw Out Krampus” berichtete.
Nur unverheiratete Männer durften Krampus spielen
Traditionell war die Rolle des Krampus strikten Regeln unterworfen: Nur wehrfähige, unverheiratete junge Männer des jeweiligen Dorfes durften an den sogenannten Krampuspassen teilnehmen, organisierten Gruppen, die gemeinsam mit dem Nikolaus von Haus zu Haus zogen. Diese Regel unterstreicht, wie sehr der Brauch ursprünglich als eine Art männlicher Initiationsritus und Gemeinschaftsereignis verstanden wurde, nicht bloß als Verkleidung für Kinder.
Krampus als internationales Phänomen
In den letzten Jahren hat Krampus eine bemerkenswerte internationale Karriere gemacht, weit über seine ursprüngliche alpine Heimat hinaus. Horrorfilme, Comics und sogar eigene “Krampus Runs” in US-amerikanischen Städten haben die Figur einem globalen Publikum bekannt gemacht, das sie oft als dunkles Gegenstück zum kommerzialisierten, allzu freundlichen Santa Claus interpretiert.
In den Alpenregionen selbst bleibt Krampus jedoch vor allem eine Gemeinschaftstradition: Die aufwendig geschnitzten Holzmasken und handgefertigten Fellkostüme werden oft über Generationen innerhalb von Familien und lokalen Krampusvereinen weitergegeben, was der Figur eine tief verwurzelte, fast handwerkliche kulturelle Bedeutung verleiht.
Häufig gestellte Fragen zu Krampus
Ist Krampus gefährlich für Kinder? Nein, moderne Krampusläufe sind reguliert und als Volksfest konzipiert, auch wenn die Rute traditionell noch symbolisch geschwungen wird.
Woher kommt der Name Krampus? Der Name leitet sich vermutlich vom bairischen Wort “Krampen” für Kralle ab, ein Hinweis auf sein dämonisches, tierähnliches Erscheinungsbild.