Wer ist der Weihnachtsmann?
Der säkulare Bruder des Christkinds
Während im katholischen Süden Deutschlands vor allem das Christkind Geschenke bringt, dominiert im protestantisch geprägten Norden und Osten des Landes traditionell der Weihnachtsmann: ein rundlicher, rotgekleideter, weißbärtiger Mann, der dem internationalen Santa-Claus-Bild sehr ähnlich ist.
Nicht zu verwechseln mit dem Nikolaus
Viele Nicht-Deutsche verwechseln den Weihnachtsmann mit dem Nikolaus, doch beide sind unterschiedliche Figuren: Der Nikolaus besucht Kinder bereits am 6. Dezember mit kleinen Süßigkeiten und Nüssen in gereinigten Schuhen, während der Weihnachtsmann erst am Heiligabend, dem 24. Dezember, die eigentlichen Weihnachtsgeschenke unter den Baum legt.
Eine relativ junge deutsche Tradition
Der Weihnachtsmann, wie er heute bekannt ist, entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert unter dem Einfluss angelsächsischer und amerikanischer Bilder, unter anderem durch Illustrationen von Thomas Nast, und verdrängte in vielen Regionen allmählich das ältere Christkind, besonders in stärker säkularisierten, städtischen Gebieten Deutschlands.
Ein pfälzischer Auswanderer erfand sein modernes Aussehen
Wenig bekannt ist, dass der Mann, der dem Weihnachtsmann sein bis heute gültiges Aussehen gab, selbst ein deutscher Auswanderer war. Thomas Nast, 1846 aus der Pfalz in die USA ausgewandert, zeichnete 1863, mitten im Amerikanischen Bürgerkrieg, für das Magazin “Harper’s Weekly” erstmals einen rundlichen, bärtigen alten Mann, der von seinem Schlitten herab Soldaten der Unionstruppen beschenkte. Nasts Vorlage war dabei keine amerikanische Erfindung, sondern der “Belzenickel”, eine pelztragende Weihnachtsmannfigur aus seiner eigenen pfälzischen Kindheit. Als Nast später gebeten wurde, seine Zeichnung einzufärben, entschied er sich für die Farben Rot und Weiß — Jahrzehnte bevor Coca-Cola sie angeblich “erfand”.
Der Coca-Cola-Weihnachtsmann trug das Gesicht eines echten Mannes
Als der Illustrator Haddon Sundblom 1931 den Weihnachtsmann für die legendäre Coca-Cola-Werbekampagne neu zeichnete, ließ er sich nach eigenen Angaben vom Aussehen seines Freundes Lou Prentiss inspirieren, eines pensionierten Coca-Cola-Auslieferungsfahrers mit langem weißem Bart. Nach Prentiss’ Tod soll Sundblom, so eine bekannte Anekdote, sein eigenes Gesicht mithilfe eines Spiegels für die weiteren Weihnachtsmann-Illustrationen verwendet haben. Bis 1964 zeichnete Sundblom jedes Jahr mindestens eine neue Version, wodurch dieses Bild des Weihnachtsmanns weltweit so dominant wurde, dass es fälschlicherweise oft ausschließlich Coca-Cola zugeschrieben wird.
Die “Jahresendfigur”: Wie die DDR den Weihnachtsmann umbenannte
In der DDR gestaltete sich das Verhältnis zwischen sozialistischer Staatsraison und religiös konnotierten Weihnachtstraditionen bekanntlich schwierig. Überaus eifrige Parteifunktionäre sollen in offiziellen Dokumenten und auf Handelsware sogar den Begriff “Weihnachtsmann” vermieden und stattdessen von einer “Jahresendfigur” gesprochen haben, um jeglichen religiösen Bezug aus dem Namen zu tilgen — ein sprachliches Kuriosum, das bis heute als anekdotisches Beispiel für die Absurditäten der DDR-Bürokratie im Umgang mit Weihnachten zitiert wird.
Der Weihnachtsmann und die deutsche Wiedervereinigung
Der Weihnachtsmann spielte eine besondere Rolle im geteilten Deutschland. Während die “Jahresendfigur”-Umbenennung eher administrativer Natur war, blieb die eigentliche Figur des Weihnachtsmanns, anders als in der Sowjetunion mit ihrem “Väterchen Frost”, auch in der DDR weitgehend erhalten, wenn auch entpolitisiert und von religiösen Bezügen befreit dargestellt. Nach der Wiedervereinigung 1990 verschwanden solche sprachlichen Eigenheiten schnell wieder, und die gesamtdeutsche Weihnachtsmann-Tradition, wie sie im Westen etabliert war, setzte sich im gesamten Bundesgebiet durch.
Heute ist der Weihnachtsmann fester Bestandteil deutscher Weihnachtsmärkte, Werbekampagnen und Familientraditionen im gesamten Bundesgebiet, wobei die Koexistenz mit dem Christkind im Süden weiterhin eine der interessantesten regionalen Besonderheiten der deutschen Weihnachtskultur bleibt.
Häufig gestellte Fragen zum Weihnachtsmann
Bringt der Weihnachtsmann die Geschenke persönlich? In vielen Familien ja, oft verkleidet sich ein Verwandter oder Nachbar und klopft am Heiligabend an die Tür.
Ist der Weihnachtsmann eine religiöse Figur? Nein, im Gegensatz zum Nikolaus ist der Weihnachtsmann eine weitgehend säkulare, kommerzialisierte Figur.